Manchmal stöbere ich auf meinem eigenen Blog - bescheuert, ich weiß - und erschrecke darüber, was ich lese. Weil die Dinge, die ich gedacht und auch hier niedergeschrieben habe, sich anfühlen, als wären sie nie ein Teil von mir gewesen. Weil sie in meinem Kopf so weit, weit weg sind und dann plötzlich wieder ganz real, weil ich sie hier lese. Dann sehe ich mich am heimatlichen Küchentisch sitzen und einen Tag nach Weihnachten mein Frühstück in Tränen ertränken. Ich sehe mich zu einem anderen Zeitpunkt flirtend, datend, über das Single-sein bloggend und wundere mich, wer ich da war. Dann lese ich meine Worte, wie ich mir Susi ausgesucht habe und erfreue mich meiner Naivität. Ich entdecke Aufreger, die mich tagelang beschäftigten und das völlig ohne brauchbares Ergebnis. Dann finde ich gepostete Zitate und frag mich, warum ich mich nicht an das halte, was ich anderen empfehle. Und ich ärgere mich über mich, wie launisch und leicht zu beeindrucken ich bin. Letztendlich drängt sich die Frage auf, was noch alles auf dem Weg hierher auf der Strecke geblieben ist und was dieser Blog noch alles zu lesen bekommt. Hm, ich wills lieber gar nicht wissen.Ja, ich bin sehr selbstkritisch, bekomme oft gesagt, dass ich sehr hohe Ansprüche an mich und meine Umwelt habe. Wenn ich aber (rückblickend und mit einigen Monaten Abstand) meinen Blog so lese, fühle ich mich schrecklich klein und dumm und naiv. Dann hätte ich lieber keine Zeugen in Form von Posts, die manchmal sogar 1:1 abbilden, was mein Leben bestimmt hat. Dann möchte ich nicht lesen, was mir wann wichtig war, welches Gefühl mich bei wem beschlich und vor allem möchte ich nicht erkennen müssen, wie nichtig und wertlos diese Gedanken im Nachhinein waren, so verschwindend gering in ihrer Bedeutung. Aber die Einträge stehen hier, in deutlichen Lettern, Worten und Sätzen und manchmal wünschte ich mir, sie würden genauso verblassen, wie meine Erinnerungen.












